Balintarbeit - Hintergrund
Der Arzt und Psychoanalytiker Michael Balint ging in den fünfziger Jahren am Londoner Tavistock Institute
der Frage nach, "warum (...) das Verhältnis zwischen Arzt und Patient oft so unbefriedigend und selbst
unglücklich ist" (Balint 1983). Er fand in einer breit angelegten Studie heraus, daß für den Erfolg
einer Behandlung die Person des Arztes wichtiger ist als die von ihm verschriebenen Medikamente.
Voraussetzung für die Wirksamkeit der "Droge Arzt" ist allerdings, daß dieser das von dem Patienten
präsentierte Problem (Symptom) als ein Beziehungsangebot versteht, auf das er mit einem adäquaten
Gegenangebot (Diagnose) reagieren muß. Deutet der Arzt das Beziehungsangebot falsch, verteilt er
beispielsweise bei Kopfschmerzen lediglich Schmerzmittel, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß der
Patient wieder vorstellig wird, und zwar solange bis der Arzt das Gespräch beispielsweise auf die
Lebensumstände lenkt, die dem Patienten (unbewußt) Kopfschmerzen bereiten. Oder aber der Patient
wechselt den Arzt in der (unbewußten) Hoffnung, daß dieser sein unter der Symptomatik verborgenes
Problem versteht und mit ihm löst.
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